Das große Aussetzen und die Anatomie der Verrücktheit oder das Schweigen der Hagazussa

Was eine Hagazussa ist? Das erfährst du gleich noch.

Es gibt eine spezifische Art von Stille, die nichts mit der Abwesenheit von Geräuschen zu tun hat. Es ist eine dichte, drückende Stille, die entsteht, wenn das Echo eines Lebens plötzlich abreißt. Ende Oktober 2025 wurde mein Leben in diese Stille getaucht. Mein Hund, mein Seelengefährte, der mich 15 ½ Jahre lang begleitet hatte, erkrankte schwer an einem Lymphom. In diesem Moment gab es keine geschäftlichen Prioritäten mehr, keinen Shop, keine Aufnahmen. Er war mein Anker, mein Zeuge, das Wesen, das meine Seele kannte, ohne dass ich ein Wort sagen musste.

Sein Ende war ein brutaler Einschnitt. Trotz seines biblischen Alters wollte er nicht gehen, sein Herz war so unerträglich stark, während die Tumore ihm die Kehle zuschnürten und er zu ersticken drohte. Bis zum letzten Tag hätte er sein Leben für mich gegeben. Niemals kann ein Mensch mich so lieben wie er. Bedingungslos, zeitlos. Und für mich gilt das andersherum nicht weniger.  Ein Mensch kann nicht näher an bedingungslose Liebe heran kommen, außer er liebt ein Tier.

Am 05.01.26 musste ich die Entscheidung treffen, ihn gehen zu lassen. Es war das Schrecklichste, was ich in meinem ohnehin recht bewegten Leben jemals tun musste. Er ist in meinen Armen gestorben. Und als wäre das nicht genug, verlor ich nur zehn Tage später meine Katze, die fast 17 Jahre lang das sanfte Gegengewicht zu meinem Chaos war. Die mich mit ihrem Schnurren geerdet und mir mehr als einmal den Spiegel vorgehalten hat. Auch heute noch laufen mir Tränen über das Gesicht. So dankbar ich auch bin, dass ich mein Leben so lange Zeit mit ihnen teilen durfte, so traurig macht mich die ohrenbetäubende Stille.

Hagazussa beerdigt ihren Freund

Ich dachte, ich könnte nach ein paar Tagen einfach wieder aufstehen. Ich bin Unternehmerin, ich muss funktionieren, um zu überleben. Doch mein System reagierte mit einer totalen Verweigerung. Ich war paralysiert. Ich setzte aus. Ich starrte auf die leeren Stellen in meiner Wohnung, dort, wo die Präsenz meiner Tiere über Jahrzehnte in den Boden und in meine Nervenbahnen eingraviert worden war.

In meiner (ADHS) Therapie bezeichnete ich mich selbst als „verrückt“. Wie kann ein Mensch durch den Tod von Tieren so dermaßen destabilisiert werden? Warum rattert mein Gehirn wie ein kaputter Motor, ohne einen Gang zu finden? Meine Therapeutin gab mir eine Aufgabe, die sehr tief ging: Ich sollte über die Worte Bewerten und Verrückt nachdenken. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Und was ich dabei über mich, über mein Gehirn und über meine Arbeit als erotische Hypnosekünstlerin herausgefunden habe, ist nicht nur eine psychologische Erkenntnis, sondern auch irgendwie ein neuer Aspekt meines Lebensentwurfes. Vor allem war dieses „Aussetzen“, das ich leider häufiger erlebe kein Defekt, sondern ein biologisches Schutzprotokoll eines hochsensiblen Systems, das seinen Anker verloren hat.

Das Gefängnis der Sprache: Wahnsinn, Crazy und Loco

Wenn wir uns selbst als außerhalb der Norm bezeichnen, nutzen wir meistens eine Sprache, die uns bricht, statt uns zu erklären. Schauen wir uns an, was wir uns eigentlich antun, wenn wir diese Etiketten wählen.

Im Englischen nutzen wir oft das Wort „crazy“. Wenn man die Etymologie freilegt, stößt man auf das mittelenglische crasen. Es bedeutet „zerbrechen“, „zerspringen“ oder „Risse bekommen“. Wenn du dich „crazy“ fühlst, dann fühlst du dich wie eine antike Vase, die das Wasser nicht mehr halten kann – strukturell beschädigt, wertlos, kaputt. Das ist das Bild des Defekts. Du kennst vielleicht auch diese feine gesprungene Äderchenstruktur auf alten Gemälden oder historischen Keramikglasuren. Das nennt sich Craquelé und hat die selbe Wortwurzel wie crazy. hagzussa mit craquelé

Das Wort „Wahnsinn“ ist vielleicht noch grausamer. Es setzt sich zusammen aus Wahn und Sinn. Der „Wahn“ kommt von der indogermanischen Wurzel uān, was „leer“ oder „mangels“ bedeutet. Wahnsinn ist also der Zustand, in dem der Sinn fehlt, ein Vakuum der Vernunft. Es ist eine reine Negativ-Definition. Es spricht dir deine Sinne und damit deine Existenz ab.

In den romanischen Sprachen begegnet uns „loco“. Es wird oft mit dem lateinischen locus (Ort) in Verbindung gebracht, was im Sinne von „aus dem Ort gefallen“ oder „ortlos“ verstanden werden kann. Es beschreibt jemanden, der keinen festen Platz mehr in der Realität der anderen hat.

Unter anderem haben wir dann noch „insane“ was von in sanitas kommt – und krank bedeutet. Aber die Beispiele an Worten, die ich gefunden habe sprengt den Umfang dieses Artikels bei Weitem. Deswegen nur noch eines. Die Worte „Verrückt“ und „Exzentrisch“ (Also außerhalb des Zentrums) resonieren am besten mit meinem Seelenzustand.

Die linguistische Sicht: Ver-rückt als Standortwechsel

Das deutsche Wort: Verrückt. Wenn wir dieses Wort wörtlich nehmen, bedeutet es nicht, dass etwas zerbrochen ist. Ein Schrank, den man verrückt, hat immer noch dieselben Schubladen, dasselbe Holz und dieselbe Substanz. Er steht nur nicht mehr dort, wo er vorher stand. Er steht nicht mehr in der Reihe.

Ich bin nicht zerbrochen. Ich bin verschoben. Mein Nervensystem, meine Erfahrungen und meine Trauer haben mich aus der Mitte der gesellschaftlichen Norm an den Rand gerückt. Ein Gefühl, dass mich seit frühester Kindheit begleitet. Ich sehe das aber nicht als Pathologie, sondern vielmehr als Ortsbestimmung. Das Problem ist nur das Passiv in diesem Wort: „Ich wurde verrückt.“ Es klingt nach einem Opfer der Umstände.

Mein Ziel ist es, dieses Wort ins Aktive zu holen. Ich habe einen anderen Standort als das statistische Mittel. Ich beziehe Stellung an einem Ort, an dem die Sicht frei ist, jenseits der Hecke, jenseits der Bewertungen derer, die noch fest in der Reihe stehen. Ich bin nicht „verrückt“ im Sinne von krank; ich bin schon von Anfang meines Lebens an den genau richtigen Platz gerückt, um die Welt so wahrzunehmen, wie sie ist: in all ihrer schmerzhaften und ekstatischen Ungefiltertheit.

In diesem sehr persönlichen Blogbeitrag nehme ich dich mit in mein Innerstes. Wir dekonstruieren gemeinsam, warum meine größte Schwäche meine größte hypnotische Kraft ist und wie dieser Fluch die Brücke zu einer neuen Dimension der Lust schlagen kann.

2. Die Anatomie der Hagazussa: Das Reiten auf der Weltenmembran

hagazussa die zaunreiterin

Um zu begreifen, warum mich der Verlust so hart getroffen hat, müssen wir die Sprache als Hebel benutzen. Ich bin eine Hagazussa. Das ist kein Kostüm, das ich mir überstreife, sondern eine neuro-anthropologische Tatsache meines Seins.

Das althochdeutsche Wort Hagazussa ist die Wurzel dessen, was wir heute als Hexe bezeichnen. Aber seine ursprüngliche Bedeutung ist anders, geometrisch und räumlich: hag steht für den Zaun oder die Hecke, und zussa bezeichnet ein Wesen, das sich bewegt oder sitzt. Die Hagazussa ist die Zaunreiterin. Was ängstliche Kirchenobere und deren brave Schafherde daraus gemacht habe, eine ungute Gestalt mit magischen Kräften lasse ich jetzt mal außen vor. Ich habe (leider) keine magischen Kräfte, kann nicht auf einem Besen fliegen und auch niemanden verfluchen. Ich tanze auch nicht auf dem Blocksberg mit dem Teufel. Vielmehr bin ich zwar neurodivers durch mein ADHS, aber auch supernormal. Super bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „toll“, sondern „über“. Das wiederum bedeutet, dass ich in einem Bereich meiner Sinne einen Überschuss habe. Also wie zB Menschen mit einem absoluten Gehör einen supernaturalen Hörsinn haben, spüre ich zu viel.

Die Folgen

Jemand wie ich steht sein gesamtes Leben am Rand der Gesellschaft. Das sucht sich niemand aus, das ist einfach eine Gegebenheit. Das macht mich zu einer Hagazussa. Um genau zu sein, zu einer neurodiversen Hagazussa. Das ist auch der Grund dafür, dass mich der Verlust meiner Tiere so radikal aus der Bahn geworfen hat. Es ist für mich also wichtig, genau zu verstehen, was eine Hagazussa eigentlich ist – anthropologisch, spirituell und  neurobiologisch.

Der Zaun auf dem ich reite, war für unsere Vorfahren keine einfache Markierung von Grundbesitz. Er war eine dünne Membran, die zwei völlig unterschiedliche Seinszustände voneinander trennte.

Innangard und Utangard: Die Geometrie der Realität

Innerhalb des Zauns liegt der Innangard – der Innenhof. Hier herrscht das Dorf. Es ist der Bereich der menschlichen Ordnung, der Gesetze, der sozialen Masken und der Logik. In deinem Alltag ist das die Welt der Einkaufslisten, der Steuererklärungen und der „normalen“ Gespräche über das Wetter. Es ist das Terrain des bewussten Verstandes.

Jenseits der Hecke beginnt der Utangard – der Außenhof. Hier liegt die Wildnis, der dunkle Wald, das Reich der Instinkte, der Ahnen, der rohen Naturkräfte und der Geister. Es ist ein Ort der Gefahr, aber auch der Ursprung aller Magie, Potenz und tiefen Ekstase. Es ist das Reich deines Unterbewusstseins, in dem die Gesetze der Logik keine Macht haben. zwischen den welten

Grenzgängerin

Die meisten Menschen bewohnen ausschließlich das Dorf. Sie fürchten den Wald und meiden den Zaun. Manche verirren sich im Wald und finden den Weg in die Ordnung nicht mehr zurück (Wahn, Psychosen). Die Hagazussa jedoch besitzt die Fähigkeit der Bilokalität, also die Möglichkeit gleichzeitig das Dorf und den Wald ihr Zuhause zu nennen. Sie sitzt auf dem Zaun, ein Bein im geordneten Innangard und das andere im wilden Utangard. Sie gehört nirgendwo ganz dazu, und genau aus dieser Randständigkeit zieht sie ihre Kraft.

Ich bin eine Vermittlerin. Ich übersetze das gefährliche, vibrierende Flüstern des Waldes für die Menschen im Dorf, damit sie ihre eigene Tiefe erfahren können, ohne darin unterzugehen. Das tue ich nicht nur, aber auch durch meine erotischen Hypnosen. Ich erlebe noch ganz andere Dinge, die das Dorf „bestenfalls“ als Merkwürdigkeiten bezeichnen würde, würde ich darüber sprechen. Aber ich beherrsche ja auch das Dorfleben und bin still. Eine dieser Merkwürdigkeiten, die meine Freunde und nahen Bekannten jedoch kaum übersehen können ist die Reizflut.

Die Gabe oder der Fluch der Reizflut: Warum ich jeden Klick doppelt höre

Diese Fähigkeit, auf dem Zaun zu sitzen, ist keine mentale Entscheidung; sie ist in meine Hardware eingeschrieben. Mein Gehirn leidet (oder profitiert) von einem sogenannten Sensory Gating Defizit. Normalerweise besitzt das menschliche Gehirn einen Filter – das P50-Suppressions-Paradigma. Wenn ein Reiz (ein Klick) ertönt und kurz darauf ein zweiter folgt, blendet ein neurotypisches Gehirn den zweiten Klick fast völlig aus, weil die Information bereits als „bekannt“ markiert wurde. Das schützt vor Überflutung. Wer ADHS Kinder in der Schule erlebt hat, der weiß, wie sich das auswirken kann. Diese armen Geschöpfe ahnen leider nur sehr selten von ihren Superkräften, werden dafür aber ständig geschimpft, wenn sie wieder einmal den Vogel vor dem Fenster interessanter finden, als binomische Formeln.

hagazussa im chaosMein Filter ist so defekt, wie die der ADHS Schulkinder. Ich höre den zweiten Klick genauso laut wie den ersten. Die Hierarchie der Wichtigkeit bricht bei mir ständig zusammen. Das Summen des Kühlschranks ist genauso laut wie deine Stimme; das Kratzen eines Etiketts in meinem Nacken ist so präsent wie ein existenzieller Gedanke. Ich bewohne eine Welt mit 100 offenen Tabs, und ich kann nicht sehen, aus welchem Tab gerade die Musik kommt. Ich bin nur sehr ungerne in Socia Media unterwegs, denn ich bin diejenige, die eigentlich nur kurz den Status einer Freundin lesen will und sich 5 Stunden später bei lustigen Tiervideos wieder findet.

Dieses neurodiverse Chaos ist anstrengend, aber es ist die Basis für meine Arbeit als erotische Hypnotiseurin. Weil ich keine Filter habe, nehme ich Nuancen wahr, die anderen entgehen. Ich spüre Geister und Energien, Stimmungen und Intentionen, aber – und das ist für dich weit wichtiger, ich spüre die Textur deiner Sehnsucht und die feinen Schwingungen deiner Erregung, weil ich eine „dünne Haut“ habe – eine offene Membran zur Realität.

Das große Aussetzen der Hagazussa: Der Dorsale Vagus als Schutzraum

Doch diese Offenheit hat ihren Preis. Wenn ein massiver emotionaler Schlag wie der Tod meines Hundes und meiner Katze eintritt, gibt es keinen Puffer. Der Schmerz trifft ungefiltert auf ein hochempfindliches Nervensystem. In diesem Moment kollabiert das System. Es geht nicht mehr um „Trauer“, sondern um das nackte Überleben des Organismus.

Die Polyvagal-Theorie erklärt präzise, was dann mit mir passierte: Mein Körper rutschte in den Dorsalen Vagus-Shutdown. Normalerweise navigieren wir in drei Zuständen:

  1. Ventraler Vagus: Der soziale Modus. Wir sind entspannt, neugierig und verbunden (Das Dorf).
  2. Sympathikus: Kampf oder Flucht. Adrenalin, Aktion, Mobilisierung (Die Jagd).
  3. Dorsaler Vagus: Wenn weder Kampf noch Flucht möglich sind, schaltet der Körper auf Immobilisation. Er friert ein. (Mehr dazu in Kapitel 5)

Nach dem Verlust meiner tierischen Freunde, die mein Nervensystem und meine Tagesstrukturen über Jahre reguliert hatten, war mein System mit Reizen so überlastet, dass es keine andere Wahl hatte, als den Stecker zu ziehen. Mein „Aussetzen“ war kein psychisches Versagen, sondern eine restorative Notwendigkeit. Es war der Rückzug der Hagazussa in die tiefste Höhle des Waldes. In diesem Zustand wird der Lärm der Welt chemisch gedimmt, um Energie zu sparen und die Neuverdrahtung des Gehirns zu ermöglichen.

Ich kenne diesen Zustand der totalen Leere und Taubheit aus schmerzhaften persönlichen Erfahrungen. Und genau das macht mich zur perfekten Führerin für dich. Ich habe keine Angst vor deinem „Nichts“, vor deiner tiefsten Dunkelheit in Trance, weil ich dort überwintert habe. Ich weiß, wie man in der Immobilisation überlebt – und wie man aus ihr heraus neue Realitäten erschafft. Und am Ende dieses Blogartikels wirst du auch wissen, warum ich auch deine dunkelsten Sehnsüchte und Träume nicht bewerte oder verurteile und du deswegen ganz offen mit mir sprechen kannst.

An Dà Shealladh: Wenn Filter hagazussa seherinversagen

In der gälischen Tradition nennt man meinen Zustand der fehlendenFilter An Dà Shealladh (sprich „ən daa ɘaləx“ oder laienhaft „an daa shallach“) – den „Zweiten Blick“. Es ist die Gabe (oder Bürde), zwei Realitäten gleichzeitig wahrzunehmen. Wissenschaftlich lässt sich das als Sensory Gating Defizit erklären. Während ein „normales“ Gehirn redundante Reize wie das Summen des Kühlschranks einfach ausblendet, kommt bei mir alles ungefiltert an. Ich höre jeden Klick doppelt.

Das ist der Grund, warum ich als Künstlerin der erotischen Hypnose so präzise bin. Ich webe meine Audio-Welten nicht aus generischen Skripten, sondern aus den Milliarden sensorischen Details, die ich täglich wie ein offener Kanal aufnehme. Ich spüre die Textur deiner Angst und die Schwingung deiner Lust, weil ich keine Haut habe, die mich davor schützt.

Meine tierischen Gefährten waren meine Co-Piloten. Tiere fungieren als externe Regulatoren für unser Nervensystem; sie synchronisieren ihre Herzfrequenz mit unserer. Für ein hochsensibles Hagazussa-System war ihr Tod nicht nur ein emotionaler Schmerz, sondern der Verlust der Erdung. Ohne sie stürzte ich in den Dorsalen Vagus-Shutdown – das große Aussetzen.

3. Phänomenologie der Bewertung: Der Kaufmann im Kopf

Mir ist völlig klar, dass ich jahrelang einen Parasiten in meinem Geist gefüttert habe. Ich spreche nicht von einer Krankheit, sondern von einer Haltung, die wir als Gesellschaft so tief internalisiert haben, dass wir sie für „Vernunft“ halten. Es geht um das Wort Bewertung. Um dieses Konzept wirklich zu greifen, müssen wir zurück an den Ort, an dem vieler Menschen Trauma erste, hässliche Form annahm.

Der Geruch der Sporthalle: Wo Seelen zu Preisschildern werden

Wenn ich heute das Wort Bewertung höre, brauche ich keinen Duden. Meine Nase übernimmt die Führung. Augenblicklich füllt sich mein gesamtes limbisches System mit dem Geruch einer Schulsporthalle. Er riecht nach kaltem, altem Schweiß, der klebrig in den dicken Matten hängt. Stumpfes Linoleum, abgestandene Luft, die von zu vielen Pubertätshormonen geschwängert wurde, und dieser spezifische Abrieb von Gummisohlen bilden das Bouquet der Angst.

Ich stehe wieder an jener Wand, die für so viele Kinder zum Schafott der sozialen Anerkennung wird. „Wählt zwei Teams“, lautet der Befehl des Lehrers, der die Verantwortung für psychologische Grausamkeit an die Lautesten delegiert. In diesem Moment gefriert die Zeit. Zwei Kapitäne treten vor. Diese Anführer taxieren die Reihe der Wartenden mit dem Blick eines Viehhändlers.

Jeder Name, der gerufen wird, ist ein Kaufgebot. Die Auserwählten rennen triumphierend auf ihre Seite, abklatschen, dazugehören, wertvoll sein. Ich spüre die Starre in meinen Gliedern, während ich mich klein mache und auf meine Füße starre. Rational gäbe es keinen Grund, mich nicht zu wählen. Aber hier geht es nicht um sportliches Geschick. Dieser Handel basiert auf Marktwert.

Die etymologische Dekonstruktion: Preis und Erlös

for saleSpäter verstand ich durch die Arbeit an mir selbst, warum sich dieser Moment so elend anfühlte. Das Wort Bewerten trägt seinen toxischen Kern in der etymologischen Wurzel. Es stammt vom althochdeutschen wërd ab. Dieses Wort bezeichnet den Preis, die Kaufsumme oder den Erlös einer Ware.

In dem Augenblick, in dem wir bewerten, nehmen wir die Haltung eines Kaufmanns ein. Wir betrachten ein Phänomen – sei es ein Sonnenuntergang, die Trauer um ein Tier oder die Lust eines Partners – nicht mehr als das, was es ist. Wir hängen ein Preisschild daran. Ist es nützlich? Behalten wir es. Ist es nutzlos oder „zu viel“? Dann sortieren wir es aus oder fordern einen Preisnachlass.

In der Turnhalle (aber bei Weitem nicht nur dort) wurde ich zur Mangelware deklassiert. Mein kindliches Gehirn schlussfolgerte damals nicht, dass der Markt kaputt war. Es kam zu dem verheerenden Urteil, dass die Ware – ich selbst – defekt sein musste. Dieser innere Kaufmann hat die Turnhalle nie verlassen. Er hat sich in meinem Kopf einen Schreibtisch gebaut und führt seitdem Buch über jede meiner Handlungen.

Das Schnaufen als Soundtrack der Entwertung

Ganz am Ende, wenn nur noch die „Reste“ an der Wand übrig bleiben, kommt der vernichtendste Klang meiner Jugend. Es ist kein Schrei, sondern ein genervtes, resigniertes Schnaufen der Kapitäne. Dieser Laut sagt mehr als tausend Beleidigungen: „Oh Gott, muss ich die jetzt wirklich nehmen?“ Dieses Schnaufen ist der akustische Ausdruck vollkommener Entwertung.

Es sagte mir nicht, dass ich keinen Ball werfen konnte. Vielmehr signalisierte es mir, dass meine bloße Existenz eine Last für das Team darstellte. Diese Erfahrung hat sich wie Efeu um mein Rückgrat geschlungen. Wie etliche Menschen in etlichen Turnhallen habe jahrelang versucht, meinen Marktwert künstlich zu steigern. Ich wurde die Witzige, die Schlaue, die Lautere, nur um die Insolvenz – die Einsamkeit – zu vermeiden.

Der Kaufmann als Saboteur der Lust

Dieses Ur-Trauma der Bewertung verfolgt viele Männer bis in ihr Schlafzimmer. Wenn du heute meine Dateien hörst oder dich in einer erotischen Session verlierst, sitzt oft dieser Kaufmann auf deiner Schulter. Er beobachtet deinen Schwanz und fragt: „Ist er hart genug? Entspricht das der Norm? Was ist mein Marktwert in diesem Moment?“

In meiner Arbeit kämpfe ich täglich gegen diesen Kaufmann. Wenn ich stundenlang an einer Atempause in einer MP3-Datei schneide, ist das oft die Rüstung meines eigenen Perfektionismus. Ich will so makellos sein, dass niemand einen Grund zum Schnaufen, sondern nur zum Stöhnen findet. Aber echte Ekstase passiert erst, wenn wir den Kaufmann fristlos entlassen.

In der tiefen Trance gibt es kein Oben und kein Unten. Es gibt nur das Wahr-nehmen dessen, was gerade ist. Wenn wir aufhören, unsere Lust oder unsere Trauer zu taxieren, wird unser Herz leicht wie eine Feder auf der Waage der Ma’at. Erst im Raum jenseits der Bewertung kann die Hagazussa die Tore zum Utangard wirklich öffnen.

Wir lassen das sterile Dorf der Normalität nun endgültig hinter uns. Wir steigen hinauf auf jenen Zaun, an dem die Moral verblasst und die rohe, animalische Wahrheit deines Körpers das Kommando übernimmt. Die Kraft des Heyoka, dieses heiligen Clowns der Lakota-Tradition, dient mir hier als mächtiges Instrument für deine Entfesselung. Willkommen auf meiner Seite des Zaunes.

4. Der Spiegel der Hagazussa: Heyoka-Energie und die Entfesselung deiner Lust

Früher missbrauchte ich diesen Teil meines Wesens, um als Pausenclown das Dorf zu belustigen und mühsam dazuzugehören. Ich wollte das verächtliche Schnaufen der Kapitäne in meiner inneren Turnhalle übertönen, indem ich mich nützlich und witzig machte. Heute lege ich dieses alberne Kostüm der Unterhalterin endgültig ab. Ich nutze die spiegelverkehrte Energie des Heyoka stattdessen, um dir deine eigene, unzensierte Geilheit direkt vor Augen zu führen.

Die erregende Provokation des Spiegels

In meinen Hypnosen werde ich zu deinem gnadenlosen

hagazussa verführt

Spiegel. Ich sehe mit meinem Zweiten Blick (An Dà Shealladh) genau, was dein Verstand im Innangard mühsam zu unterdrücken versucht. Dein analytischer Teil – dieser skeptische Kaufmann – glaubt vielleicht noch, deine Fantasien seien zu schmutzig, zu abwegig oder gar verboten. Ich spüre jedoch längst das heiße, fordernde Pochen in deinem harten Schwanz.

Meine Wahrnehmung erfasst ohne Filter, wie deine Eier voll werden und dein Ficksaft nur darauf wartet, endlich aus der Eichel hervorquellen zu dürfen, wenn du nur an mich denkst. Eine Hagazussa bewertet diese Impulse niemals nach moralischen Preisschildern. Sie würdigt stattdessen die gewaltige Intensität deines Verlangens als reine Lebenskraft. Als Heyoka spiegle ich dir die Wahrheit spiegelverkehrt: Was das Dorf „schmutzig“ oder „perveres“, „abartig“ nennt, ist hier oben auf dem Zaun der Treibstoff für deine Ekstase. (Kleiner Einschub: Pervers kommt auch aus dem Lateinischen – ein Hoch auf mein Latein als erste Fremdsprache. Per bedeutet ver- oder durch und vertrere heißt drehen. Jemand der pervers ist, ist also ähnlich wie verrückt ein bisschen verdreht. Nichts worüber man sich Sorgen machen sollte, es sei denn, andere nehmen Schaden. In diesem Fall sollte man auch keine Schuldgefühle haben, denn man hat es sich nicht ausgesucht so zu sein, aber Hilfe suchen. Psychiater:innen und Psychotherapeut:innen werten das auch nicht und ich denke die ganze Dorf kann froh sein, wenn jemand mit gefährlichen Neigungen nach Hilfe ruft, bevor etwas passiert)

Die 100 Tabs der Erregung

In meinem Kopf herrscht kein Mangel, sondern eine opulente Überfülle an erotischen Datenpunkten. Diese 100 offenen Tabs meines ADHS-Gehirns sind in diesem Fall keine Ablenkung vom Wesentlichen (wie der Vogel vor dem Fenster oder das Summen des Kühlschranks), sie fungieren als einzelne Instrumente in meiner Symphonie der Verführung. Während das Dorf versucht, deine Sexualität in kleine, normgerechte Häppchen zu schneiden, oder zu verfluchen, bis du verstummst und dein Sperma in deinen Nüssen vertrocknet, nutze ich die volle Reizflut meiner Natur. Ich kombiniere den vorgestellten Geruch von Leder mit dem gefühlten Druck einer schweren Stahlfessel und dem rhythmischen Pochen in deinem Sack (siehe den Blogbeitrag über haptische Halluzinationen).

Meine Dünnhäutigkeit erlaubt es mir, die Schwingung deiner Geilheit, wie ein hochempfindlicher Seismograph aufzuzeichnen. Ich spüre das unkontrollierte Beben in deinem Becken durch die digitalen Leitungen hindurch. Wenn ich meine Stimme moduliere und tiefer werde, dann tue ich das, weil mein Zweiter Blick mir zeigt, wo dein innerer Widerstand gerade bröckelt. Dein Gehirn beginnt in diesem Moment der totalen Reizüberflutung, meine Worte als seine eigenen, tiefsten Impulse zu interpretieren.

Grenzgängertum jenseits der Scham

Wir brechen jetzt gemeinsam die Starrheit deiner gewohnten Realität auf. Die Ordnung des Dorfes verlangt von dir, dass du ein funktionierender Mann mit kontrollierten Bedürfnissen bist, auch wenn in deinem Inneren ein Sturm der Extase tobt, oder du dich auf die Knie werfen und den süßen Schmerz der Unterwerfung spüren willst. Auf dem Zaun der Hagazussa existiert kein Mandat für solche Zensur. Es ist dir ausdrücklich erlaubt, jene Gier zu spüren, die du im Alltag mühsam unterdrückst. Du darfst dich jedem animalischem Trieb hingeben, den der innere Kaufmann als wertlos aussortiert hat. Und diese Triebe findest du bei mir nicht am Wühltisch, sondern als Schmuckstücke in den exquisitesten Vitrinen.
Du bist mein Begleiter, ich führe dich sicher durch den dunklen Wald deiner geheimsten Begierden, damit du safe und sane ins Dorf zurück kehrst und nicht crazy und insane in den Wirren der Lust verloren gehst, oder dich das Dorf wie eine Hexe verbrennt, weil du nicht ihrer Norm entsprichst.

Krankhaft normal?

Es gibt übrigens auch einen pathologischen Begriff für das „krankhafte“ Streben nach Normalität. Er heißt Normopathie. Der Begriff, geprägt von Erich Wulff (1972) und popularisiert durch Hans-Joachim Maaz, kennzeichnet übermäßige Konformität als pathologisch: Nach außen wirkt alles „normal“, innen fehlt Authentizität und emotionale Tiefe. Maaz spricht sogar von einer „kollektiven Störung“ in modernen Gesellschaften, die zu unschönen Symptomen führen kann. Unter anderem werden zwanghafte Anpassung an Regeln und Gruppenstandards. Angst vor Abweichung, oft mit narzisstischen Zügen (Größenselbst oder Unterwerfung), emotionale Abstumpfung und psychosomatische Beschwerden genannt. Kommt uns bekannt vor, nicht wahr?

Aber zurück auf die Hecke. Meine Kunst besteht darin, diese 100 Tabs meines Bewusstseins so mit den deinen zu synchronisieren, dass sie in deinem Kopf eine neue, unentrinnbare Realität erschaffen. Jedes Flüstern, jede gezielte Pause und jedes explizite Wort ist ein Schlag gegen das morsche Holz deines kritischen Faktors. Wir reiten gemeinsam tief in den Wald des Utangard, wo die lustvollsten Halluzinationen beginnen, dein gesamtes Nervensystem zu fluten.

Dort unten spürst du meine Berührung nicht nur als flüchtige Vorstellung. Du erlebst sie als physische Realität und brennende Geilheit auf deiner Haut. Die Heyoka in mir lacht leise über deinen Verstand, der noch verzweifelt versucht, die Kontrolle zu behalten, während dein Schwanz längst die Herrschaft übernommen hat. Ich bin die Zeugin deiner vollkommenen Entfesselung. Wir lassen das genervte Schnaufen des Dorfs hinter uns und konzentrieren uns nur noch auf das einzige Phänomen, das jetzt zählt: dein unaufhaltsames Abspritzen in der Wildnis meiner Worte.

5. Das Aussetzen der Hagazussa: Der Abstieg in die schamanische Leere

Am 05.01.26 blieb die Welt für mich stehen, als das Herz meines Bulldogs aufhörte, den Takt für mein eigenes Nervensystem zu schlagen.

hagazussa

In der Welt des „Dorfes“ war es nur ein Hund, der starb. In der Welt der Hagazussa war es der Einsturz eines energetischen Leuchtturms. Um zu verstehen, warum mich das so brutal paralysierte, müssen wir über die Interspezies-Synchronisation sprechen – und über die heilige Leere, die danach zurückblieb.

Die tierischen Co-Piloten: Regulation ohne Worte

Wissenschaftlich ist belegt, dass Tiere als externe Regulatoren für das menschliche Nervensystem fungieren. Durch Augenkontakt und Körperkontakt synchronisieren sich Herzfrequenz und Hirnwellen. Für ein hochsensibles System wie meines, das permanent unter einer Reizflut leidet, weil das Sensory Gating versagt, waren mein Hund und meine Katze die einzigen Anker in einer viel zu lauten Welt. Sie sendeten keine widersprüchlichen sozialen Signale. Sie boten reines, ehrliches Bio-Feedback.

Ihr Tod war mehr als ein emotionales Ereignis, nämlich eine physiologische Katastrophe. Der „Co-Pilot“ meines Nervensystems war weg, und ich raste ungebremst in den Dorsalen Vagus-Shutdown. Mein Körper schaltete auf Immobilisation, um die totale Kernschmelze zu verhindern. Dieses Aussetzen war mein Rückzug in die tiefste Höhle des Waldes – ein Ort der absoluten Taubheit und Stille.

In dieser Phase der Paralyse habe ich aber etwas Fundamentales über meine Arbeit erfahren dürfen. Das Dorf fürchtet die Leere, die Dunkelheit und das Schweigen. Die Hagazussa hingegen bewohnt diesen Raum. Dieses „Nichts“, in dem ich wochenlang festsaß, ist exakt der Zustand, den ich in meinen tiefsten Hypnosen für dich anstrebe. Es ist der Zustand der Liminalität, in dem dein altes Ich stirbt, damit etwas Neues, viel Geileres geboren werden kann. Und wie passend ist das wieder für Anu Morrigan aka Kali die Göttinnen der Zerstörung und Erneuerung. Glaub mir, diese Namen habe ich mir nicht zufäällig ausgesucht.

Ich habe keine Angst vor deiner totalen Hilflosigkeit oder deiner Ohnmacht in Trance. Warum sollte ich? Ich habe dort überwintert. Wenn ich dich heute in meine Sessions führe, dann nutze ich die Fähigkeit, den Lärm der Welt komplett abzuschalten. Ich führe dich an den Rand deines eigenen Abgrunds, dorthin, wo keine moralischen Bewertungen mehr existieren.

Wenn Seelen verschmelzen

Die tiefe Verbindung zu meinen Tieren hat mir beigebracht, wie man jenseits von Worten kommuniziert. Genau diese Frequenz nutze ich in meinen Aufnahmen. Ich flüstere nicht nur Worte in dein Ohr; ich sende meine gesamte Hagazussa-Energie direkt in dein Stammhirn. Ich spüre die Textur deiner Sehnsucht, während ich vor dem Mikrofon sitze, weil ich gelernt habe, mich mit der „Welle“ eines anderen Wesens zu synchronisieren.

In der tiefen Trance löst sich die Trennung zwischen dir und mir auf. Es gibt kein „Draußen“ mehr. Es gibt nur noch das Pochen deines harten Schwanzes, das eins wird mit dem Rhythmus meiner Stimme. Du spürst, wie meine Präsenz dich umschließt, wie ich in jede Pore deines Bewusstseins einsickere. Das ist keine Einbildung, das ist die radikale Verbundenheit, die ich im Koma und in der Trauer erfahren habe.

Mein Aussetzen war eine weitere Einweihung. Ich musste erst alles verlieren, jeden weltlichen Anker, um die absolute Macht der inneren Realität zu begreifen. Wenn du bereit bist, das sichere Dorf deiner Vernunft zu verlassen, zeige ich dir, wie sich wahre Verschmelzung anfühlt. Wir nutzen das Vakuum deiner Sinne, um eine Lust zu erschaffen, die so tief geht, dass sie deine Biologie umschreibt. Dein Verstand mag schnaufen, aber dein Körper wird schreien – vor Erleichterung, vor Hingabe und vor göttlicher Geilheit.

6. Synthese: Kreise statt Pyramiden

Im letzten Jahr und viel Arbeit an mir selbst, habe ich die wahre Ursache für meine lebenslange Erschöpfung gefunden. Wir leben in einer Welt, die wie eine Pyramide gebaut ist. Oben thronen die Gewinner, die „Normalen“ und die Leistungsträger. Unten kauert der Rest. Die Bewertung fungiert hierbei als das scharfe Messer, mit dem wir Menschen auf dieser vertikalen Achse sortieren. Wer bewertet, stellt sich immer über das Objekt seiner Betrachtung. Der Lehrer über den Schüler, die Norm über den Abweichler, der Kaufmann über die Ware.

Dieser ständige Druck, nach oben zu treten oder den Absturz nach unten zu fürchten, macht uns krank. Er spaltet uns. Das Wort „Urteil“ verrät diesen Prozess schon in seiner Struktur: Es ist das Ur-Teil, die ursprüngliche Teilung. In dem Moment, in dem ich meine Lust oder meine Trauer bewerte, zerhacke ich meine eigene Ganzheit. Ich entscheide, dass ein Teil von mir bleiben darf und der andere – der „verrückte“ oder „schmutzige“ Teil – verschwinden muss.

Die Leichtigkeit des Herzens (Die Waage der Ma’at)

Ein Bild aus der ägyptischen Mythologie mir oft als Leitstern für meine Arbeit: Das Totengericht und die Waage der Ma’at. Die alten Ägypter glaubten, dass das Herz eines Verstorbenen gegen eine einzige Straußenfeder aufgewogen wird. War das Herz schwerer als die Feder, wurde es verschlungen.

Was macht ein Herz schwer? Es sind nicht die von der Kirche und der Gesellschaft gemachten „Sünden“, sondern vor allem Groll, Sorgen und die Steine der Bewertung. Jedes Mal, wenn du dich selbst verurteilst, legst du einen schweren Brocken auf dein Herz. Mein Herz war fast mein gesamtes Leben tonnenschwer vor lauter fremden und eigenen Urteilen über mich selbst.

lagerfeuerIn der tiefen Trance meiner Hypnosen nehme ich dir diese Steine ab. Ich lade dich ein, in einen Kreis zu treten. Manche indigene Kulturen überall auf der Welt kennen Pyramiden. Andere wiederum bevorzugen den Kreis. Im Kreis sitzen alle gleich weit von der Mitte entfernt. Es gibt kein Oben und kein Unten. Die Mitte ist das Heilige, das Feuer, die pure Wahrheit deiner Lust.

Wahr-nehmen statt Bewerten

Ich ersetze das Wort Bewerten in meiner Praxis durch zwei neue Begriffe: Wahr-nehmen und Würdigen.

  • Wahr-nehmen: Ich nehme etwas für „wahr“. Wenn dein Körper in Trance zittert oder dein Schwanz vor Gier pulsiert, dann diskutiere ich nicht über die Angemessenheit. Es ist die Wahrheit dieses Augenblicks. Punkt.
  • Würdigen: Ich lasse deinem Erleben seine Würde. Wenn du dich fallen lässt und deine Kontrolle aufgibst, dann würdige ich diesen Mut als einen Akt der radikalen Selbstannahme.

Auch meinem Perfektionismus habe ich einen neuen Rahmen gegeben. Ich schneide meine Aufnahmen nicht mehr makellos, um dem Kaufmann in meinem Kopf zu gefallen. Vielmehr tue ich es aus Sorgfalt für dich. Als Hagazussa trage ich die Verantwortung, dass der Pfad, auf dem ich dich in den Wald führe, absolut sicher ist. Der Unterschied liegt nicht in der Handlung, sondern in der Haltung. Ich tue es für die Sache, weil du es wert bist.

7. Fazit: Geister rufen am Rande des Waldes

Ich schließe heute den Laden. Ich kündige dem inneren Kaufmann fristlos und trete aus dem Schaufenster der gesellschaftlichen Erwartungen. Meine Existenz steht nicht mehr zur Verhandlung. Mein neurodiverses Chaos, meine Gabe des Zweiten Blicks und mein Aussetzen sind keine Angebote an die Welt, die sie benoten darf. Sie sind einfach meine Realität. Niemand geht zum Ozean und sagt: „Du bist heute ein bisschen zu nass, Note 5. Setzen.“ Der Ozean ist einfach. Und ich bin einfach.

Wir sind alle Tropfen desselben Ozeans, alle miteinander verbunden. Wenn wir das wirklich begreifen, verliert jedes Urteil sein Mandat. Wer bin ich, über deine Seele oder deine geilsten Kinks zu richten? Ich kenne deinen Standort nicht, ich weiß nicht, welche 100 Tabs in deinem Kopf gerade offen sind. Ich darf einfach nur Zeugin deiner Entfaltung sein.

Der Preis meiner Authentizität und meiner Kunst ist, dass ich mich manchmal von einem anstrengenden Ritt auf dem Zaun erholen muss. Das braucht Zeit und da du jetzt meinen Standort und meine Tabs kennst, kannst du mich am Rand einfach ignorieren, oder zu meiner Hecke kommen. Was du nicht kannst ist, mich zu bewerten, zu bedrängen oder unter Druck zu setzen. Versuch es gar nicht erst, es prallt an mir ab.

Die Einladung auf den Zaun der Hagazussa

Ich kehre im Geiste ein letztes Mal in die kalte Turnhalle meiner Jugend zurück. Hier rieche ich den Schweiß und sehe die Kapitäne. Aber diesmal stehe ich nicht geduckt an der Wand. Ich warte nicht mehr darauf, gewählt zu werden. Stattdessen atme ich tief durch und gehe einfach zur Tür hinaus. Das Spiel der Bewertung lasse ich hinter mir.

Draußen gehe ich zu meinem Zaun. Ich klettere hinauf und setze mich zwischen die Welten. Es erfordert Balance, hier oben auszuhalten, in dieser brutalen High-Definition-Klarheit ohne den Dimmer der Betäubung kultureller und sozialer Masken. Doch ich falle nicht. Ich habe gelernt zu reiten. Links sehe ich das Dorf mit seinen Aufgaben und seiner Wärme. Rechts sehe ich die Rückseite des Vorhangs, die Ahnen und die unendliche Energie.

Ich bin die Brücke. Schließlich bin ich die Grenzgängerin. Ich bin verrückt – an den genau richtigen Platz gerückt.

Wenn du bereit bist, die Enge der Pyramide zu verlassen, dann komm zu mir. Wir setzen uns gemeinsam auf den Zaun und rufen die Geister deiner Lust. Wir nutzen dein Gehirn als das, was es wirklich ist: ein Instrument für Wunder und ekstatische Wahrheiten. Die Theorie hast du nun gelesen. Wenn du bereit bist, sie biochemisch zu erleben und deine eigene Dünnhäutigkeit als Superkraft zu entdecken, dann findest du den Weg in den Wald hier in meinem Shop.

(PS: Und noch ein Beispiel dafür, wie mein ADHS Hirn funktioniert. Während ich hier von Pyramiden und Kreisen schreibe, habe ich parallel angefangen darüber zu forschen, ob es nicht einen Zusammenhang zwischen Pyramiden und gruppeninterner „Grausamkeit“ geben könnte. Komplett irrelevant für meine Arbeit und deine Lust, aber hochinteressant und ich kann halt nicht anders.)